Fussball und Politik

Weil das Thema immer öfter aufkommt: Es geht mir auf die Nerven, dass während einer EM oder WM offenbar versucht wird, ein wenig mit auf der Popularitätswelle mitzuschwimmen und der allgemeinen Begeisterung polititsche Botschaften unterzujubeln.

Bitte merkt Euch: Es geht hier um Sport, nicht um Politik. Es ist müssig und sinnlos, zu argumentieren, dass hier nicht die Deutschen spielen, sondern die deutsche Nationalmannschaft. Es ist Schwachsinn, der allgemeinen Fussballbegeisterung pauschal Nationalismus zu unterstellen. Ich verstehe auch die Fahnenknicker nicht. Wieviel Sympathie und Zustimmung erntet man wohl für die Beschädigung fremden Eigentums? Fragwürdig sind auch die gewollt prokanten “Sieg!”-Rufe.
Ich denke mal, ein echter Fan feuert seine Mannschaft an, und beschimpft nicht die andere.

Hier soll es um Sport gehen und um den Spass dabei. Aus.

High Voltage hinterm Ohr

So, am Mittwoch wars dann soweit: Meine neuen Hörgeräte warteten auf mich. Zum Akustiker gegangen und die üblichen Anpassungen inklusive kleinem Hörtest gemacht.
Die üblichen Anpassungen beinhalten: Einspeichern des Audiogramms in den Equalizer des Hörgeräts, Einstellen der Pfeifunterdrückung, Voreinstellen des Lautstärkelevels.
Einstweilen hab ich sie zur Probe für ne Woche. Wie schon erzählt, zwei Phonak Naida, UltraPower Version..

Am Heimweg dann erste Eindrücke gesammelt. Extrem hochwertiger Klang, so gut und differenziert hab ich noch nie gehört. Der Heimweg führt durch eine Shopping-Mall, und der sonst undefinierbare Lärmpegel hat sich ganz anders angehört. Verschiedene Stimmen haben geredet, Absätze geklackert, Schiebetüren von Geschäften haben sich geöffnet. Alles halbwegs gleichzeitig und differenziert hörbar. Sehr beeindruckend.

Ebenfalls sehr beeindruckend ist das Sprachverständnis mit den neuen Hörgeräten. Menschliche Stimmen werden geradezu herangezoomt, befinden sich immer voll im Hörfeld und sind in extrem guter Qualität laut und deutlich verstärkt. Die Qualität motiviert einen geradezu dazu, die gesprochenen Worte allein durchs Hören zu verstehen, und aufs Mundablesen zu verzichten. Werde jetzt versuchen, das mit Hörbüchern zu trainieren. Gespräche laufen um einiges entspannter und stressfreier ab, ich muss weniger Brainpower aufs Verstehen aufwenden und kann mich mehr auf Gesprächsinhalte konzentrieren. Telefonieren rückt erstmals in Reichweite.

Noch beeindruckender war dann, zu Musik zu hören. AC/DC, eh klar 🙂 Auch hier nie gehörte Details zum ersten mal wahrgenommen. Vibratos, Delays, sogar das Ein- und Ausschalten von Noisegates in einem Video vom Fil (und zwar dieses hier, lauscht am Anfang) deutlich hörbar.

Tja, natürlich hab ich den Rest des Mittwochs und auch Donnerstag Abend damit verbracht, so lange Musik zu hören und selbst zu spielen, bis meine Ohren gestreikt haben 🙂
Bin restlos begeistert. Geile Technik!

Deja Vu: In den Mühlen des Gesundheitswesens

Das Schöne an Twitter ist ja, dass man schnell mal irgendwelchen Scheiss bloggen kann. Microblogging halt. Mit Betonung auf “Micro” 🙂 Aber gleichzeitig ist dies auch ein Nachteil. Kein Wunder, dass viele Leute mit langen Texten zunehmend überfordert sind. Sehe ich zumindest, wenn ich im Job längere Mails mit komplizierteren Zusammenhängen schreibe. Oft stelle ich dann später fest, dass diese Mails nur teilweise gelesen oder verstanden wurden.

Nagut, jedenfalls ging letzte Woche Freitag mein rechtes Hörgerät kaputt. Der Akustiker meinte, ich könnte entweder reparieren lassen, hätte dann aber meinen Anspruch auf neue Hörgeräte für dieses Jahr verwirkt. Denn meine Hörgeräte sind auch schon wieder 5 Jahre alt. Also für neue entschieden.

Neue Hörgeräte brauchen ein Rezept vom Arzt, hier Verschreibung genannt. Also zu dem HNO, bei dem ich zuletzt immer war und bei dem ich bisher auch keine Voranmeldung brauchte. Das hat sich aber geändert, denn die neue Sprechstundenhilfe hat mich gleich angepflaumt, dass bald Feierabend wäre (in einer Stunde) und ich bitte zwecks Termin anrufen sollte. Bis Juli wäre aber ohnehin alles besetzt. Nagut, da will jemand nicht. Von mir aus.

Der nächste HNO-Arzt um die Ecke hatte ebenfalls “Nur nach Voranmeldung” auf dem Schild, und die HNO-Bereitschaft der Krankenkasse ist gerade an diesem Tag für zwei Wochen in Urlaub gefahren. Beim vierten Arzt dann (etwas weiter weg, aber ich war vor 5 Jahren dort) Glück gehabt.
Hab mich ausdrücklich für “Sie müssen aber sicher ne halbe Stunde warten” bedankt.

Wurde dann aber schon nach 5 Minuten zum Hörtest gebeten.
Nachdem ich wie gewohnt mies beim Hörtest abgeschnitten habe, hat mir die Helferin gesagt, dass sie nicht erwartet hat, dass ich so schlecht höre und meine Mundablese-Fähigkeiten gelobt. Dann noch kurz warten und zum Doc rein. Der meinte, dass mein Gehör rechts etwas nachgelassen hat und hat mir dann die Verschreibung fertiggemacht.

Damit dann zum Akustiker. Verschreibung abgegeben. Akustiker will noch einen ausführliochen Hörtest, dann gemeinsames Gespräch, um die Anforderungen ans Hörgerät festzulegen. Macht Sinn. Aber leider nicht mehr heute, denn man hat schon in 30 Minuten Feierabend. Termin nächsten Freitag um 12 (heute). Enttäuscht heimgegangen.

Heute dann also wieder hin, Hörtest gemacht. Hörschwellentest einzelner Frequenzen, Sprachverständnis mit Zahlen und einfachen Wörtern, ohne Hörgeräte. Auch hier wieder die Testerin mit meiner Mundablesefertigkeit überrascht. Problemlos ohne Hörgeräte, aber mit Mundablesen Gespräch geführt. Eigentlich ist Mundablesen gang und gäbe bei Hörbehinderten, aber die Akustikerin meinte, sie hat noch nie jemanden gesehen, der so schlecht hört und so gut sprechen und ablesen kann. Danach war sie wesentlich zuvorkommender.

Dann meine Ansprüche, Wünsche und berufliches Umfeld (Meetings, Kundenkontakt, etc.) besprochen. Hörgerät ausgesucht. Ich probiers mal mit einem Phonak Naida. Bin sehr beeindruckt von den Features.

Jetzt darf ich noch ein paar Papiere für die Finanzierung zusammensuchen, und in ca. 8-10 Tagen krieg ich die Geräte dann zum Test. Die Krankenkasse zahlt in der Regel 900 Euro pro Gerät (situationsabhängig), ein Naida kostet so ca. 2400 Euro, je nach Ausführung. Wenns nicht anders geht, werd ich mir das Geld halt von der Bank leihen müssen.

Interessant war, sowohl beim Arzt als auch beim Akustiker: keiner hat mir zuerst angesehen, wie schlecht ich höre. Und entsprechend sind sie mit mir umgegangen. Man wird herumgeschoben und behandelt. Erst, als ich mich aus der Masse hervorgehoben habe, hat man sich eingehend mit mir beschäftigt.

Und mir ist wieder eingefallen, dass es vor fünf Jahren ganz genauso war 🙂

Und jetzt noch mein Audiogramm. Hörschwelle bei 2kHz: 120 db. Click to enlarge.