Mein heissersehnter Verstärker, ein Marshall 2204 JMP Master Volume Lead, 50W head von 1979, ist ja gestern angekommen. Ich hatte dann leider nur in der Mittagspause und dann am Abend noch kurz ein wenig Zeit, ihn anzutesten.
Bisher hab ich ja mit einem Marshall MG 15 CDR gespielt, einem 15 Watt Transistor Combo-Verstärker mit Röhrensimulation. Sehr schönes Teil für Anfänger, war beim Musikuniversum Wien-Floridsdorf für 149,- im Schaufenster, runtergesetzt von 199,-. Der MG 15 CDR ist laut genug für zu Hause und mit aktivierter FDD-Schaltung klingt er auch ansatzweise röhrenmässig, wie ich jetzt weiss.
Was ich bei dem MG 15 CDR nun vermisst habe, ist ein weicher, bluesiger Klang. Zum einen hat er mit nur einem 10" Lautsprecher drin, relativ wenig Bass, zum anderen klingt er mir zu eckig und zu höhenbetont. Vermutlich hätte ein Combo mit 12" oder 2x 12" und einem Mittenregler dazu besser gepasst.
Nachdem ich jetzt schon ne Weile lang bei
Fil (SoloDallas) mitlese und sehr begeistert von dem Klang seines
Marshall JMP 100 Watt MasterVolume bin, andererseits aber wenig bis keine Ahnung von Röhrenverstärkern habe, hab ich mich nach fabrikneuen Verstärkern umgesehen, die so klingen, wie der JMP.
Gibts aber offenbar nicht. Auch der Vintage Modern klingt anders. Ebenfalls angedacht war der Marshall 2061X, ebenfalls eine Vintage-Neuausgabe. Letzterer klingt zwar schon sehr gut und auch ähnlich, hat aber den Nachteil, keinen MasterVolume-Regler zu haben.
Für einen guten AC/DC-Sound braucht man einen leicht verzerrten Klang, den ein Röhrenverstärker erst dann produziert, wenn man laut genug aufdreht. Das hat aber, wenn man im trauten Heim musiziert, den Nachteil, dass sich dann irgendwann die Nachbarn in Form eines Lynchmobs mit Fackeln und Heugabeln bewaffnet vor der Wohnungstür versammeln.
Um das zu verhindern, gibt es spezielle Geräte, welche die Menge an Strom, die vom Verstärker zu den Lautsprechern geht, wieder absenken. Nennen sich "Power Breaks" oder "Attenuator". Sind an und für sich ein Verbund aus fetten Widerständen, die einen Grossteil des vom Verstärker produzierten Stroms in Wärme umwandeln und den Rest dann zum Lautsprecher durchlassen. Damit könnte man also auch einen voll aufgedrehten 100 Watt-Verstärker klangmässig entsprechend einstellen und dann auf erträgliche Lautstärke runterdrehen.
Muss man aber nicht.
Nämlich dann, wenn man sich stattdessen einen Verstärker mit MasterVolume (MV) zulegt, der das gleiche effektiver erledigt. Und natürlich reichen für zu Hause und auch für den Proberaum 50 Watt locker. Mehr als das, ich hab gesehen, dass bei MV auf 4 an einem 4x12" Cabinet hier im vielleicht 35m² grossen Wohnzimmer bereits die Hosenbeine flattern. Oder besser gesagt, ich habs gespürt, hehe.
Man dreht einfach den Preamp-Regler weit auf, sorgt so für Verzerrung, und dreht dann das MV wieder auf annehmbare Lauststärke runter. Und schon hat man Live-Sound in Zimmerlautstärke.
Ich hätte mir also für den 2061x, der neu um die 1300 Euro kostet, noch ein Zusatzgerät kaufen müssen und hätte dann für vielleicht 1500 noch immer keine Box gehabt. Und nur fast echten AC/DC-Sound.
Fil (SoloDallas) hat mich dann im Laufe der Diskussion angeschrieben und gemeint, ich soll mir einfach nen gebrauchten JMP bei
Egay Ebay suchen. Dass ich das dann gemacht hab, ist ja mittlerweile bekannt. Und ich bin alles andere als enttäuscht. Das Ding klingt einfach supergeil.
Und jetzt brauch ich nur noch genug Zeit, um mich ausgiebig mit ihm zu beschäftigen. Hab mir dafür dann auch 2 Tage freigenommen.
Ich kann so etwas wirklich nur empfehlen. Klangmässig und finanziell auch. Im Grunde zahlst Du weniger und bekommst dafür mehr. Allerdings gehst Du auch ein grösseres Risiko ein.
More to come.