Beim Lesen von
Not quite like Beethoven ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich noch nie über meine Schwerhörigkeit gebloggt habe. Wenn ich nun überlege, woran das liegt, dann erscheint mir das Thema schlicht zu banal. Die Schwerhörigkeit ist für mich so alltäglich wie
dieder Morgenlatte oder aufs Klo zu gehen. Nix wirklich Bloggenswertes.
Für mich. Aber für die Anderen in meinem Umfeld vielleicht ja doch?
Zu erzählen gäbe es eigentlich genug, denn es gibt sicher genug Fragen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht gefragt werden oder Missverständnisse, die ausgeräumt gehören.
Update: Eigene Kategorie "Hören oder Nichthören" erstellt.
Zunächst mal:
Wie schlecht höre ich eigentlich?
Je nach Tonfrequenz habe ich eine andere Wahrnehmungsschwelle. Bei tiefen Tönen, vielleicht 60 Hz (entspricht etwa dem Bummbumm der lieben Techno-Musik), brauche ich eine Verstärkung um etwa 50 db (5-fache Verstärkung), bei höheren Tönen (2.000 Hz) liegt meine Hörschwelle bei ca. 80 db. Ganz hohe Töne so ab ca. 8.000 Hz höre ich gar nicht.
Meine Hörgeräte schaffen eine maximale Verstärkung um 104 db und sind eigentlich immer voll aufgedreht.
Update: Hier kann man sich anhören, wie sich Schwerhörigkeit anhört:
Hearing loss sampler
Wie ist mein Sprachverständnis?
Rein akustisch ziemlich mies. Ohne Mundablesen, also durch reines Hören verstehe ich gesprochene Worte kaum. Ab und an sind mal Zufallstreffer bei kurzen Worten mit dabei, oder wenn sowieso klar ist, was gesagt werden wird. Deshalb fällt auch telefonieren weg, zumindest dann, wenn ich angerufen werde.
Kommt dann das Mundablesen (Sprachverständnis durch "Lesen" des Lippenbildes beim Sprechen) hinzu, bin ich eigentlich wieder ganz gut im Rennen, allerdings muss dabei trotzdem die Akustik passen. Das vom Mund "abgelesene" muss quasi mit dem Gehörten übereinstimmen. Was in lauter Umgebung (Musik, Gaststätten, Partys) meist nicht der Fall ist. Ganz schlecht sind auch deutsch synchronisierte englische Filme, denn dann lese ich Englisch von den Lippen der Schauspieler ab und höre dazu die deutsche Synchronisierung. Geht gar nicht.
Ganz wichtig ist auch die Fähigkeit, möglicherweise gesagte Worte aus dem Kontext des bisher Gesprochenen zu erraten.
Und hier komm ich nun zu einer typischen Macke von Hörbehinderten: Öfters mal "jaja" sagen, obwohl man etwas gar nicht verstanden hat.
Herr not quite like Beethoven beschreibt das
hier sehr schön.
Ich geb zu, ich mach das auch.
Warum?
Weil man seiner Umgebung nicht immer mit Nachfragen auf die Nerven gehen will.
Weil man vom gerade gesagten Satz zwar eh die Hälfte verstanden hat, aber sich trotzdem keinen Reim auf den Inhalt machen kann und nun darauf hofft, dass die anschliessend gesagten Dinge dann Rückschluss auf die nicht verstandenen Dinge geben werden.
Weil man den Redefluss oder die Atmosphäre nicht stören will. Wer fragt schon in romantischen Situationen oder beim Sex erst mal ein paarmal nach, bis er alles verstanden hat?
Man sollte es so selten wie möglich machen, aber immer wird es sich halt nicht vermeiden lassen.