Wie alles im Leben hat auch die Schwerhörigkeit nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. Im Job wie im Privatleben. Fangen wir mit dem Job an:
Ein verantwortungsvoller hörbehinderter Mitarbeiter muss sich um einiges mehr anstrengen, um seinen Job zu meistern. Da Informationen in Gesprächen und Meetings nicht mal eben so aufgenommen werden können, sondern oft nur ein Teil des Gesprochenen verstanden wird, ist der Schwerhörige gezwungen, ständig den Sachverhalt des Gesprochenen inhaltlich zu hinterfragen, um dem Gespräch folgen zu können.
Das soll natürlich nicht heissen, dass Normalhörende immer nur mit einem Ohr zuhören und ansonsten im Halbschlaf dahindämmern, aber den Schwerhörigen wird halt um einiges mehr abverlangt und es kommt im Gegenzug sehr viel Leistung zurück.
Es wird, allein, um den Gesprächsverlauf folgen zu können, mehr themenbezogene Gehirnarbeit geleistet. Und das bedeutet auch eine intensiviere Beschäftigung mit den relevanten Themen.
Mehr noch, man muss sich, um möglichst viel verstehen zu können, auf ein Gespräch vorbereiten. Die deutsche Sprache ist ja relativ schwer vom Mund abzulesen, und was durch Mundablesen und Hören nicht verstanden wurde, muss möglichst aus dem Kontext heraus erraten werden. Dies gelingt mit entsprechender Vorbereitung um so besser.
Darüber hinaus muss man sich Gedanken machen, wie man Situationen, die man aufgrund der Hörbehinderung nicht meistern kann, vermeidet. Dies wiederum erfordert Planungsgeschick und auch hier wieder entsprechend Fachwissen.
Wenn man sich also als Arbeitgeber einen engagierten Hörbehinderten ins Haus holt, kann es durchaus gut sein, dass dieser seinen Job sogar noch besser erledigt ein ein Normalhörender auf gleichem fachlichen Niveau.
Hörbehinderte sind sicher nicht per se die besseren Arbeitnehmer, auch hier gibgs faule Säcke und Idioten.
Aber die gibts überall.
Übrigens: ab 1.1.2011 gilt in Österreich der besondere Kündigungsschutz für Behinderte erst ab dem vierten Beschäftigungsjahr. Das macht durchaus Sinn, denn "Naja, wenn ich den jetzt einstelle, werd ich ihn ja nie wieder los" ist ein weitverbreitetes Vorurteil und per se ein Nachteil für die Behinderten bei der Jobsuche.