Sunday, February 6. 2011
Wie alles im Leben hat auch die Schwerhörigkeit nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. Im Job wie im Privatleben. Fangen wir mit dem Job an:
Ein verantwortungsvoller hörbehinderter Mitarbeiter muss sich um einiges mehr anstrengen, um seinen Job zu meistern. Da Informationen in Gesprächen und Meetings nicht mal eben so aufgenommen werden können, sondern oft nur ein Teil des Gesprochenen verstanden wird, ist der Schwerhörige gezwungen, ständig den Sachverhalt des Gesprochenen inhaltlich zu hinterfragen, um dem Gespräch folgen zu können.
Das soll natürlich nicht heissen, dass Normalhörende immer nur mit einem Ohr zuhören und ansonsten im Halbschlaf dahindämmern, aber den Schwerhörigen wird halt um einiges mehr abverlangt und es kommt im Gegenzug sehr viel Leistung zurück.
Es wird, allein, um den Gesprächsverlauf folgen zu können, mehr themenbezogene Gehirnarbeit geleistet. Und das bedeutet auch eine intensiviere Beschäftigung mit den relevanten Themen.
Mehr noch, man muss sich, um möglichst viel verstehen zu können, auf ein Gespräch vorbereiten. Die deutsche Sprache ist ja relativ schwer vom Mund abzulesen, und was durch Mundablesen und Hören nicht verstanden wurde, muss möglichst aus dem Kontext heraus erraten werden. Dies gelingt mit entsprechender Vorbereitung um so besser.
Darüber hinaus muss man sich Gedanken machen, wie man Situationen, die man aufgrund der Hörbehinderung nicht meistern kann, vermeidet. Dies wiederum erfordert Planungsgeschick und auch hier wieder entsprechend Fachwissen.
Wenn man sich also als Arbeitgeber einen engagierten Hörbehinderten ins Haus holt, kann es durchaus gut sein, dass dieser seinen Job sogar noch besser erledigt ein ein Normalhörender auf gleichem fachlichen Niveau.
Hörbehinderte sind sicher nicht per se die besseren Arbeitnehmer, auch hier gibgs faule Säcke und Idioten.
Aber die gibts überall.
Übrigens: ab 1.1.2011 gilt in Österreich der besondere Kündigungsschutz für Behinderte erst ab dem vierten Beschäftigungsjahr. Das macht durchaus Sinn, denn "Naja, wenn ich den jetzt einstelle, werd ich ihn ja nie wieder los" ist ein weitverbreitetes Vorurteil und per se ein Nachteil für die Behinderten bei der Jobsuche.
Friday, July 30. 2010
Und zwar mein rechtes Hörgerät. Seit gestern schon. Es wieder drin zu haben, hat mich leider nicht so begeistert wie auf der linken Seite, die grosse Überraschung des tollen Hörgefühls blieb leider aus.
Offenbar liegt das daran, dass ich einfach schon zu lange mein rechtes Ohr unterfordert habe. Mit zu leisem Input. Jetzt war ich grad duschen (nein, ich blogge jetzt NICHT nackt  ) und siehe da, Hörgerät rechts rein und ich höre den Fernseher im Nebenzimmer. Nicht dass ich was verstehen würde, aber ich hab gehört, dass er läuft. Hab mich dann sehr gefreut
Dann noch meine Induktionsschleife fürs iPhone ausprobiert und gemerkt, dass der Akustiker vergessen hat, die Telefonspule im Hörgerät zu aktivieren. Muss ich also morgen noch mal hin. Links geht sie aber, und das Hörerlebnis damit ist ein Traum. Geil!
Hier noch Fotos von den Schätzchen:
Sunday, July 25. 2010
Schauen gerade, da nur alte Tatorte wiederholt werden, Kocharena. Ich mag ja Kochsendungen. Was ich aber nicht mag, sind abrupte Kamerawechsel gerade dann, wenn jemand spricht, und die neue Perspektive dann den gerade sprechenden gar nicht mehr zeigt.
Da hängt man an den Lippen des Juroren, und sieht dann auf einmal nen Obstkorb oder das zu bewertende Gericht, oder das Publikum oder was auch immer, während der Juror natürlich weiterredet. Und schon hat man was verpasst, und fragt die Freundin nebenan auf dem Sofa, die aber nicht mitgeschaut hat, sondern liest. Also was verpasst. Sehr ärgerlich.
Dabei könnte man ja auch den Sprechenden in einem extra Bild mit einblenden und dann von mir aus weiterhin Obstkörbe filmen. Wäre halt schon schön, wenn man weiterhin immer den Sprechenden im Bild hat, liebe Vox-Regie.
Schliesslich ist es schade, wenn man Sprüche wie "Das Dressing war ziemlich versalzen, also ich gratuliere dem Koch zu seinem Liebesleben" versäumt
Saturday, July 17. 2010
Offenbar ist das rechte Hörgerät nun auch eingegangen. Hab damit ja in der letzten Zeit schon leiser als normal gehört, hab das aber aufs Ohr geschoben. Jetzt herrscht rechts Funkstille. Werd dann also meine Vorgänger-Geräte wieder reaktivieren, weil auf einer Seite nichts hören, geht gar nicht.
Friday, July 16. 2010
Eh klar, da bloggt man über kaputte Hörgeräte im Sommer und ein paar Tage später ist das eigene im Arsch kaputt. Erwischt hats das linke. Wohnung geputzt, geschwitzt wie nicht mehr schön, aber Kappe aufgehabt. Duschen gegangen, Hörgeräte waren trocken beim rausnehmen. Rechtes Gerät rein, geht. Linkes Gerät rein, geht nicht. Oh Mann...Gerät in den Trockner gegeben. Geht wieder, aber nur sehr leise. Also zum Akustiker gefahren. Der hat das Gerät geputzt, Kontakte gereinigt, hat aber nix geholfen. Ein paar Minuten wars normal laut, dann isses wieder leise geworden.
Also einschicken zur Reparatur. Dauert ne gute Woche. Derweil lauf ich mit einem Ersatzgerät rum, das bissi zu leise ist und bei lauter Musik noch mehr in die Knie geht. Grmpf. Übrigens, es hat hier jetzt, um beinahe 23 Uhr, noch 31 Grad.
Monday, July 12. 2010
Puh, momentan hält sich meine Lust zum Bloggen wieder sehr in Grenzen. Liegt zum einen am Wetter, zum anderen daran, dass momentan wenig bis nichts passiert. Sonja arbeitet brav in ihrem Ferienjob als Eisverkäuferin, und Uschi und ich fiebern unserem Urlaub entgegen.
Zum Thema Hörbehinderung im Sommer gibts aber einiges zu sagen. Ein grosses Problem ist nämlich, dass Hörgeräte nicht wasser/schweissfest sind. Wenns einem also ordentlich runterläuft, sind die Hörgeräte in Gefahr. Schweiss läuft in Laustärkeregler, Ein-/Ausschalter oder Batteriefächer und bringt Batterien zum Auslaufen.
Sehr nervige Geschichte. Mittlerweile gibts wasserdichte Hörgeräte mit abgekapseltem Batteriefach, die allerdings ziemlich teuer sind. Und weil ich dieses Problem auch hab, werden die nächsten wohl oder übel solche sein müssen. Ich hab nämlich keine Lust mehr auf den Stress mit kaputten Hörgeräten jeden Sommer.
Tuesday, June 29. 2010
Zu den Menschen, mit denen man am meisten kommuniziert (und die auch am meisten unter den Hörproblemen zu leiden haben), gehört ja die eigene Familie.
Aktuell bei uns sieht man das grad gut, weil die Sonja ja derzeit ne Woche in England ist.
Bei Normalhörenden würde der Kontakt jetzt wahrscheinlich so ablaufen, dass sie uns anruft oder wir sie und das Telefon wird dann an den nächsten weitergereicht, so dass alle mal mit ihr sprechen können.
Geht bei uns nicht.
Sonja und Uschi telefonieren miteinander, und Uschi berichtet mir dann. Und Sonja und ich schreiben uns ab und zu eine SMS. Das ist natürlich nicht das gleiche. Per SMS ist man kürzer angebunden, man hört nicht die Stimme des Anderen, und für Sonja ist es aufwändiger, erst Uschi alles zu erzählen, und mir dann noch ne SMS zu schreiben.
Und natürlich ist es auch für Uschi umständlich, ein zehnminütiges Telefongespräch mit Sonja möglichst originalgetreu widerzugeben, es wird zusammengefasst und teilweise reduziert auf den reinen Informationsfluss. Was ist passiert, was war gut, was war schlecht, usw. Dabei bleibt dann das Emotionale ein wenig auf der Strecke.
Ein anderes Beispiel sind die Tischgespräche, besonders mit Kindern. Hier meine ich jetzt nicht Sonja, die ist ja fast schon erwachsen. Kinder sind impulsiver und spontaner als Erwachsene, wechseln gerne mal sprunghaft das Gesprächsthema, sprechen undeutlicher, es ist generell schwerer vorhersehbar, worüber sie sprechen werden.
Und gut vorherzusagen, was gleich gesagt werden könnte, ist für Hörbehinderte schon die halbe Miete, denn es schränkt die Anzahl der möglicherweise gesprochenen Worte stark ein. Und dazu muss man in erster Linie wissen, worüber überhaupt gesprochen wird.
Bei uns versuche ich, die goldene Mitte zwischen "gut aufpassen", "nachfragen" und "die beiden halt mal reden lassen und beim nächsten oder übernächsten Thema wieder einsteigen" zu finden. Klappt nicht immer, geht auch nicht immer ohne genervt-sein ab. Es hemmt den Gesprächsfluss ja ziemlich, wenn einer das Gespräch unterbricht und nachfragt, was gerade gesagt wurde. Es nervt auch, wenn man dann wegen etwas gefragt wird und keine Ahnung hat, worum es geht und die anderen dann erstmal 10 Minuten Gespräch wiederholen müssen.
Es kann also viel schiefgehen:
Zu oft nachfragen führt dazu, dass die anderen gereizt sind, und als Reaktion darauf man selbst auch. Oder man selbst ist frustriert, weil man zu wenig ins Gespräch einbezogen wird, weil man ohne aktives Nachfragen nicht berücksichtigt wird. Oder man kriegt nen Anschiss, "weil man nicht aufgepasst hat" und dann wegen etwas gefragt wird und sich nicht auskennt, weil man sich eben grad mal ausgeklinkt hat, weil das Aufpassen zu anstrengend war.
Fazit: Hörbehinderte haben in der Familie im Grunde genau die gleichen Probleme (und auch im gleichen Ausmass!) wie woanders. Es kann sogar passieren, dass sich "fremde" Menschen mehr Mühe geben, verstanden zu werden, denn für diese ist die Problematik nicht alltäglich. Hinzu kommt auch, dass "nicht hören können" in der Familie nicht nur informelle, sondern auch emotionale Defizite mit sich bringt.
Sunday, June 20. 2010
Gerade läuft Fussball, Neuseeland gegen die Spaghettifresser die Spucker Italien. Und beim Abspielen der Nationalhymnen liest man in den Untertiteln "Nun hören wir die Hymnen der Mannschaften". Ehrlich? Echt? Ich bin schockiert. Die spielen dort Nattionalhymnen beim Fussball? Vor dem Spiel? Tja, wer hätte das gedacht. Und das ist nur ein Beispiel für den vielen Unsinn, den man in den
Hörgeschädigten-Untertiteln liest.
Saturday, June 12. 2010
Beim Lesen von Not quite like Beethoven ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich noch nie über meine Schwerhörigkeit gebloggt habe. Wenn ich nun überlege, woran das liegt, dann erscheint mir das Thema schlicht zu banal. Die Schwerhörigkeit ist für mich so alltäglich wie dieder Morgenlatte oder aufs Klo zu gehen. Nix wirklich Bloggenswertes.
Für mich. Aber für die Anderen in meinem Umfeld vielleicht ja doch?
Zu erzählen gäbe es eigentlich genug, denn es gibt sicher genug Fragen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht gefragt werden oder Missverständnisse, die ausgeräumt gehören.
Update: Eigene Kategorie "Hören oder Nichthören" erstellt.
Zunächst mal: Wie schlecht höre ich eigentlich?
Je nach Tonfrequenz habe ich eine andere Wahrnehmungsschwelle. Bei tiefen Tönen, vielleicht 60 Hz (entspricht etwa dem Bummbumm der lieben Techno-Musik), brauche ich eine Verstärkung um etwa 50 db (5-fache Verstärkung), bei höheren Tönen (2.000 Hz) liegt meine Hörschwelle bei ca. 80 db. Ganz hohe Töne so ab ca. 8.000 Hz höre ich gar nicht.
Meine Hörgeräte schaffen eine maximale Verstärkung um 104 db und sind eigentlich immer voll aufgedreht.
Update: Hier kann man sich anhören, wie sich Schwerhörigkeit anhört: Hearing loss sampler
Wie ist mein Sprachverständnis?
Rein akustisch ziemlich mies. Ohne Mundablesen, also durch reines Hören verstehe ich gesprochene Worte kaum. Ab und an sind mal Zufallstreffer bei kurzen Worten mit dabei, oder wenn sowieso klar ist, was gesagt werden wird. Deshalb fällt auch telefonieren weg, zumindest dann, wenn ich angerufen werde.
Kommt dann das Mundablesen (Sprachverständnis durch "Lesen" des Lippenbildes beim Sprechen) hinzu, bin ich eigentlich wieder ganz gut im Rennen, allerdings muss dabei trotzdem die Akustik passen. Das vom Mund "abgelesene" muss quasi mit dem Gehörten übereinstimmen. Was in lauter Umgebung (Musik, Gaststätten, Partys) meist nicht der Fall ist. Ganz schlecht sind auch deutsch synchronisierte englische Filme, denn dann lese ich Englisch von den Lippen der Schauspieler ab und höre dazu die deutsche Synchronisierung. Geht gar nicht.
Ganz wichtig ist auch die Fähigkeit, möglicherweise gesagte Worte aus dem Kontext des bisher Gesprochenen zu erraten.
Und hier komm ich nun zu einer typischen Macke von Hörbehinderten: Öfters mal "jaja" sagen, obwohl man etwas gar nicht verstanden hat.
Herr not quite like Beethoven beschreibt das hier sehr schön.
Ich geb zu, ich mach das auch.
Warum?
Weil man seiner Umgebung nicht immer mit Nachfragen auf die Nerven gehen will.
Weil man vom gerade gesagten Satz zwar eh die Hälfte verstanden hat, aber sich trotzdem keinen Reim auf den Inhalt machen kann und nun darauf hofft, dass die anschliessend gesagten Dinge dann Rückschluss auf die nicht verstandenen Dinge geben werden.
Weil man den Redefluss oder die Atmosphäre nicht stören will. Wer fragt schon in romantischen Situationen oder beim Sex erst mal ein paarmal nach, bis er alles verstanden hat?
Man sollte es so selten wie möglich machen, aber immer wird es sich halt nicht vermeiden lassen.
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